Howard Carpendale ist eine der prägenden Stimmen des deutschen Schlagers – ein Künstler, dessen Songs, Lebensgeschichte und Persönlichkeit Generationen berührt haben. In diesem Artikel werfen wir einen ehrlichen, menschlichen und tief recherchierten Blick auf sein Leben, insbesondere auf die gesundheitlichen Herausforderungen, die er im Laufe der Jahre gemeistert hat, und wie sie sein privates und berufliches Wirken beeinflusst haben.
Tabelle: Kurzes Bio von Howard Carpendale
| Geburtsdatum | 14. Januar 1946 |
|---|---|
| Geburtsort | Durban, Südafrika |
| Beruf | Sänger, Komponist |
| Genre | Schlager |
| Erste Erfolge | 1970er Jahre |
| Berühmtester Hit | „Ti Amo“ (1977) |
| Anzahl verkaufter Alben | Über 65 Millionen |
| Krankheit | Multiple Sklerose |
| Jahr der Diagnose | 2003 |
| Ehefrau | Donnice Cavanaugh |
| Kinder | 2 |
| Abschiedstournee | 2026 |
| Privatleben | Aktiv, sportlich |
Ein Leben für die Musik
Howard Victor Carpendale wurde am 14. Januar 1946 in Durban, Südafrika, geboren und entwickelte früh eine Leidenschaft für Musik. Er zog in den 1960er Jahren nach Europa, wo er zunächst als Sänger in Clubs und kleinen Lokalen auftrat. Sein Talent führte ihn nach Deutschland, wo er schließlich eine beeindruckende Karriere im Schlager etablierte. Hits wie „Ti Amo“ (1977), „Tür an Tür mit Alice“ oder „Hello Again“ (1984) machten ihn zu einem der beliebtesten und erfolgreichsten Interpreten im deutschsprachigen Raum. Insgesamt verkaufte Carpendale über 65 Millionen Tonträger und prägte mit seiner Stimme mehrere Jahrzehnten Musikgeschichte.
Seine Karriere war nicht nur lang, sondern auch vielschichtig – er füllte Arenen, erhielt zahlreiche Auszeichnungen und blieb über die Jahrzehnte hinweg relevant im Musikbusiness. Neben seiner musikalischen Arbeit war Carpendale auch auf der Bühne und im Fernsehen präsent, was seine Vielseitigkeit unterstreicht.
Die Diagnose: Multiple Sklerose
Ein einschneidender Moment in Carpendales Leben war die Diagnose mit Multiple Sklerose (MS), einer chronischen Erkrankung des zentralen Nervensystems. Diese Krankheit kann unterschiedlich verlaufen und betrifft die Schutzhülle der Nervenfasern im Gehirn und Rückenmark. Die Folge: gestörte Signale im Nervensystem, die zu einer Vielzahl von Symptomen führen können – von Taubheitsgefühlen über Gleichgewichtsstörungen bis zu Sehstörungen.
Carpendale machte seine Erkrankung erstmals öffentlich im Jahr 2003. In einem Interview berichtete er, wie es begann: Zunächst spürte er ein seltsames Kribbeln im Bein, das in Schüben auftrat und ihn verunsicherte. Nach umfangreichen Untersuchungen stellte ein Professor die Diagnose Multiple Sklerose fest.
Die Diagnose einer unheilbaren Krankheit ist ein schwerer Schlag – für jeden Menschen. Carpendale nahm die Nachricht mit Entschlossenheit und realistischem Blick auf sein Leben an. Er und seine Frau informierten sich intensiv über MS und deren Verlauf. Trotz der Unsicherheit, die eine solche Diagnose mit sich bringt, entschied sich der Sänger dafür, seinem Leben und seiner Karriere weiter nachzugehen – mit Sport, Aktivität und einem starken Willen.
Leben mit MS: Zwischen Herausforderung und Normalität
Multiple Sklerose verläuft bei jedem Betroffenen anders: Für einige bedeutet sie einen raschen körperlichen Verfall, für andere verläuft sie über Jahre eher ruhig oder schubweise. Bei Howard Carpendale zeigt sich bisher eher ein langsamer, nicht stark fortschreitender Verlauf. Schon kurz nach seiner Diagnose erklärte er öffentlich, dass er mit Fitnesstraining, Tennis und Golf aktiv gegen die Krankheit vorgehen wolle, statt sich von ihr bestimmen zu lassen.
Er verzichtet weitgehend auf Medikamente – zum Teil wegen der möglichen Nebenwirkungen – und setzt stattdessen auf sportliche Aktivität und mentale Stärke. Diese Entscheidung mag für Außenstehende überraschend sein, aber sie zeigt seinen persönlichen Umgang mit der Krankheit: Er möchte sie nicht als Zwang sehen, sondern als einen Teil seines Lebens, den er gestalten will.
Die MS hat auch Auswirkungen auf seinen Alltag. Symptome wie gelegentliches Kribbeln, Müdigkeit oder kleine Beeinträchtigungen können auftreten, doch Carpendale bleibt aktiv und optimistisch. Mehrfach hat er betont, dass sich die Krankheit kaum weiterentwickelt hat und er gut mit den Herausforderungen umgehen kann.
Psychische Gesundheit: Der lange Weg aus der Depression
Neben MS hat Carpendale offen über eine schwere Phase in seinem Leben gesprochen, in der er mit Depressionen zu kämpfen hatte. Diese Erfahrung ist eng mit seinem Rückzug aus dem Rampenlicht und dem Gefühl der Ziellosigkeit verbunden, das viele Menschen nach einem Lebensdrehpunkt erleben.
In einem Podcast erzählte er, dass er sich Jahre lang leer und ohne Energie gefühlt habe – ein Zustand, den viele Menschen mit Depressionen nur zu gut kennen. Sein ältester Sohn erkannte die Situation und brachte ihn in eine Klinik, wo er drei Monate blieb. Diese Zeit hat ihm geholfen, neue Wege im Umgang mit seiner psychischen Gesundheit zu finden, auch wenn er sagt, dass die Depression nicht einfach „verschwindet“.
Die Offenheit, mit der Carpendale über diese empfindliche Thematik spricht, ist wichtig. Gerade in Zeiten, in denen psychische Gesundheit zunehmend enttabuisiert wird, zeigt er, dass auch Menschen im öffentlichen Leben und im Rampenlicht mit diesen Herausforderungen konfrontiert werden können – und dass es Stärke braucht, Hilfe anzunehmen und Unterstützung zu suchen.
Ein Leben voller Herausforderungen – und Trotz
Was Howard Carpendale besonders auszeichnet, ist seine Fähigkeit, trotz schwerer Schicksalsschläge weiterzumachen. MS, körperliche Verletzungen, psychische Krisen – all das hätte selbst den stärksten Charakter aus der Bahn werfen können. Doch Carpendale blieb in vielen Jahren aktiv, musisch produktiv und emotional offen.
Ein eindrucksvolles Beispiel ist, wie er nach Verletzungen und gesundheitlichen Rückschlägen weiterhin auftrat und sogar Tourneen plante. Sein Optimismus und die klare Haltung, sich nicht von seiner Krankheit besiegen zu lassen, geben vielen Menschen Mut, die ähnliche Situationen durchleben.
Abschiedstournee 2026: Ein würdiger Schlussakkord
Ein weiterer großer Meilenstein in seinem Leben ist die Abschiedstournee, die für 2026 geplant ist, womit er seinen aktiven Bühnenabschied nach Jahrzehnten voller Musik geben möchte. Obgleich er sich von der Tournee verabschiedet, bedeutet das nicht das Ende seiner Präsenz in der Musik oder in den Herzen seiner Fans. Vielmehr setzt er damit ein Zeichen des Dankes und der Anerkennung – sowohl an sein Publikum als auch an sich selbst, für alles, was er erreicht und durchgestanden hat.
Diese Tournee ist ein emotionaler Moment: Für viele Fans, die mit seinen Liedern aufgewachsen sind, und für Carpendale selbst, der sein Leben lang auf der Bühne stand. Sie ist nicht nur ein Abschied, sondern auch ein Feiern eines erfüllten Musikerlebens, das von Höhen und Tiefen geprägt war.
Was bedeutet das für die Fans und die Öffentlichkeit?
Für zahlreiche Menschen bedeutet Howard Carpendales Geschichte mehr als nur die Erfolge in Charts und Medien. Sie steht für Durchhaltevermögen, menschliche Verletzlichkeit und Mut im Umgang mit schwierigen Lebensumständen. Seine Offenheit über MS und psychische Gesundheit hat vielen Betroffenen das Gefühl gegeben, nicht allein zu sein. Und seine Stärke, trotz Rückschlägen weiterzumachen, inspiriert – weit über die Musikwelt hinaus.
In einer Zeit, in der Prominente oft nur perfekte Fassaden zeigen, ist Carpendales ehrlicher Umgang mit seinen Herausforderungen ein starkes Statement: Krankheit und psychische Krisen gehören zum Leben dazu, und sie machen uns nicht weniger wertvoll oder stark.
Fazit
Howard Carpendales Leben ist ein Spiegelbild menschlicher Komplexität: ein Mix aus Erfolg, Leidenschaft, Schmerz, Kampf und unerschütterlicher Hoffnung. Er hat sich nicht nur als Sänger einen Platz in den Herzen vieler Menschen gesichert, sondern auch als Mensch, der offen über seine gesundheitlichen Kämpfe spricht und anderen Mut macht.
Seine Multiple Sklerose-Erkrankung, seine Phasen mit Depressionen und die anhaltende Lebensfreude zeigen, wie vielfältig Herausforderungen sein können – und wie wichtig es ist, ihnen mit Mut, Offenheit und Entschlossenheit zu begegnen. Sein Abschied von der Tournee 2026 ist nicht das Ende, sondern ein weiterer Schritt in einem Leben, das viele Facetten hat und weit mehr ist als nur Musik.

